Archive for Juli 2009

To Nobodaddy (2)

28/07/2009

– We liked you better when you was a whore.
– Jackass.

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Leistung muss sich wieder lohnen

28/07/2009

Ein äußerst profitables Geschäft
Bulgarien: Libyen bekam 100 Millionen Dollar für die Freilassung der Krankenschwestern

SZ, 27.7.2009, S. 8

Das Recht auf Schändung

28/07/2009

Eine neue Form von Betriebswirtschaft
Die Polizei schließt Flatrate-Bordelle, doch die Prostituierten pochen auf ihre Rechte

SZ, 28.7.2009, S. 10

To Nobodaddy (1)

28/07/2009

I’ll tell you one thing for sure: I wouldn’t trust no words written down on no piece of paper, especially from no „Dickinson“ out in the town of „Machine“.  – You’re just as likely to find your own grave.

So sind die Zeiten

26/07/2009

Nach 1990 war mit Jochen Berg kein Reibach mehr zu machen, also wurde es, wie man so sagt, still um ihn. Der Betrieb spie ihn aus. In der DDR hatte er große Kunst gemacht, rücksichtslos gegen sich und andere, freie Kunst, Kunst, die im Westen geachtet und respektiert wurde; aber sie hatten ja nie die Kunst gemeint, sondern nur die gute Gelegenheit. Als Berg nicht aufhören wollte, Kunst zu machen, bloß weil die DDR nun weg war, da warfen sie ihn 1991 aus seiner kleinen Stelle als Hausautor des Deutschen Theaters. Einer durfte in dem Jahr noch auf einem seiner Stücke herumtrampeln, dann wurde es, wie man eben so sagt, still um ihn.

Am 25. Juni ist Jochen Berg an dieser Stille krepiert. Und man muss froh sein, dass die, die sie kennen, die Details dieses Sterbens nicht nach außen tragen, denn die Kunsteunuchen und Meinungsdemoisellen haben schwache Nerven, man möchte denen doch das nächste Vernissagebuffet nicht verderben.  – Fleißig war er, bis zuletzt, hat intensiver gearbeitet als selbst seine Vertrauten ahnten, Dramen, Gedichte, Bilder, Aphorismen, hat den Dandy gemimt, um allen ein ruhiges Gewissen zu lassen, hat sich die Krankheiten übergestülpt, die die Gesellschaft braucht, um sich zu erklären, warum so große Künstler wie Jochen Berg an ihr kaputtgehen.

Einen Wunsch hatte er, einen letzten: Man möge ihm doch ein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof geben. Aber das war naiv gedacht, denn ein Grab, das kostet Geld, und Geld, das hatte der Jochen Berg nicht, denn er, der vielen gutes Geld eingebracht hat, ist in bitterster Armut gestorben.

Seit einem Monat liegt Jochen Berg unbeerdigt, und sein Sohn sagt in einem so kurzen wie klaren Brief, der in Freundeskreisen kursiert, warum: Weil die wenigen Mittel fehlen, ihn zu bestatten. Und er bittet um Hilfe.

So sind die Zeiten: Die Familie eines Mannes, der seinem Land sehr viel gegeben hat, muss bitten gehen für eine Ruhestätte. Zwischen der Privatisierung des Anstands und seiner Abschaffung scheint kein Unterschied zu bestehen.

Es heißt, Deutschland wird am Hindukusch verteidigt. Manchmal fragt man sich, ob sich die Mühe lohnt.

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Die Aktion wurde beendet!

Châteauvert en Var

18/07/2009

Die Auberge de Châteauvert ist ein Ort, der Restaurantkritiker abschreckt. Der hauptsächliche Speiseplatz ist bis in den tiefen Herbst vor der Tür, man sitzt ein paar Meter von einer Landstraße entfernt nahe einer Ampel. Die alte Römerbrücke über den Argens dämpft die gefräßige Stille der Gäste kaum, das Bassin mit den truite ist bemoost, die kostenlose caraffe d’eau wird dem Zulauf entnommen. Mineralwasser in Flaschen? Der patron schaut ungläubig. Wozu 3,50 Euro bezahlen, wo man doch kostenlos … Ein ständiges Schild am Eingang „Nous sommes complets“ weist jeden ab, der sich von so etwas abhalten lässt.

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(1) Gran Torino, 2008

14/07/2009

Der Film ist nicht wirklich gelungen, aber er ist gerade deswegen ein guter Film: So konsequent arbeitet er auf seine präzisen Aussagen hin, dass er für sie sonst leicht zu vermeidende Schwächen in Kauf nimmt. Sympathie ist hier gleichgültig, Inhalt zählt. Ein sehr wenig psychologischer Film, ein guter Film.

Die Kraft des massiven Alten in einer Welt des hohlen Neuen ist überragend selbst da, wo sie kurios ist: Der Gran Torino von 1972 fährt ja wirklich noch, er wird begehrt von denen, die nicht mehr wüssten, wie ihn behandeln, er wirkt jugendlich gegen die modernen Fahrcomputer. Die Würde körperlicher Arbeit wird gezeigt, dass Sozialisierung über das Tun erfolgt und nicht über das Reden. Hat eigentlich, wer sich nicht selbst verteidigen kann, das Recht, die Polizei zu rufen? Der Rassismus ist nicht in den Worten. Im Überholten der Fremden kann mehr vom verlorenen Eigenen liegen als in den verkommenen Angehörigen. Familie und Nachbarschaft sind komplexe Vorgänge. Die Schwächung des Mannes stärkt die Frau nicht. Wer die Form verliert, verliert alles, wer für die Form steht, muss nicht zwingend förmlich sein. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Feinde.

„Gran Torino“ ist eine kluge und unaufdringliche Apologie des Katholizismus. Walt Kowalskis Opfertod am Ende ist so folgerichtig und weltlich, wie er entrückt ist. Amerikas Heilige sind aus hartem Holz geschnitzt.