Archive for the ‘Franchement’ Category

Michael Gräter

06/09/2009

sagt, Klatsch sei unser sozialer Klebstoff.

Mag sein, aber muss man ihn gleich schnüffeln?

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So sind die Zeiten

26/07/2009

Nach 1990 war mit Jochen Berg kein Reibach mehr zu machen, also wurde es, wie man so sagt, still um ihn. Der Betrieb spie ihn aus. In der DDR hatte er große Kunst gemacht, rücksichtslos gegen sich und andere, freie Kunst, Kunst, die im Westen geachtet und respektiert wurde; aber sie hatten ja nie die Kunst gemeint, sondern nur die gute Gelegenheit. Als Berg nicht aufhören wollte, Kunst zu machen, bloß weil die DDR nun weg war, da warfen sie ihn 1991 aus seiner kleinen Stelle als Hausautor des Deutschen Theaters. Einer durfte in dem Jahr noch auf einem seiner Stücke herumtrampeln, dann wurde es, wie man eben so sagt, still um ihn.

Am 25. Juni ist Jochen Berg an dieser Stille krepiert. Und man muss froh sein, dass die, die sie kennen, die Details dieses Sterbens nicht nach außen tragen, denn die Kunsteunuchen und Meinungsdemoisellen haben schwache Nerven, man möchte denen doch das nächste Vernissagebuffet nicht verderben.  – Fleißig war er, bis zuletzt, hat intensiver gearbeitet als selbst seine Vertrauten ahnten, Dramen, Gedichte, Bilder, Aphorismen, hat den Dandy gemimt, um allen ein ruhiges Gewissen zu lassen, hat sich die Krankheiten übergestülpt, die die Gesellschaft braucht, um sich zu erklären, warum so große Künstler wie Jochen Berg an ihr kaputtgehen.

Einen Wunsch hatte er, einen letzten: Man möge ihm doch ein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof geben. Aber das war naiv gedacht, denn ein Grab, das kostet Geld, und Geld, das hatte der Jochen Berg nicht, denn er, der vielen gutes Geld eingebracht hat, ist in bitterster Armut gestorben.

Seit einem Monat liegt Jochen Berg unbeerdigt, und sein Sohn sagt in einem so kurzen wie klaren Brief, der in Freundeskreisen kursiert, warum: Weil die wenigen Mittel fehlen, ihn zu bestatten. Und er bittet um Hilfe.

So sind die Zeiten: Die Familie eines Mannes, der seinem Land sehr viel gegeben hat, muss bitten gehen für eine Ruhestätte. Zwischen der Privatisierung des Anstands und seiner Abschaffung scheint kein Unterschied zu bestehen.

Es heißt, Deutschland wird am Hindukusch verteidigt. Manchmal fragt man sich, ob sich die Mühe lohnt.

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Die Aktion wurde beendet!