(1) Gran Torino, 2008

Der Film ist nicht wirklich gelungen, aber er ist gerade deswegen ein guter Film: So konsequent arbeitet er auf seine präzisen Aussagen hin, dass er für sie sonst leicht zu vermeidende Schwächen in Kauf nimmt. Sympathie ist hier gleichgültig, Inhalt zählt. Ein sehr wenig psychologischer Film, ein guter Film.

Die Kraft des massiven Alten in einer Welt des hohlen Neuen ist überragend selbst da, wo sie kurios ist: Der Gran Torino von 1972 fährt ja wirklich noch, er wird begehrt von denen, die nicht mehr wüssten, wie ihn behandeln, er wirkt jugendlich gegen die modernen Fahrcomputer. Die Würde körperlicher Arbeit wird gezeigt, dass Sozialisierung über das Tun erfolgt und nicht über das Reden. Hat eigentlich, wer sich nicht selbst verteidigen kann, das Recht, die Polizei zu rufen? Der Rassismus ist nicht in den Worten. Im Überholten der Fremden kann mehr vom verlorenen Eigenen liegen als in den verkommenen Angehörigen. Familie und Nachbarschaft sind komplexe Vorgänge. Die Schwächung des Mannes stärkt die Frau nicht. Wer die Form verliert, verliert alles, wer für die Form steht, muss nicht zwingend förmlich sein. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Feinde.

„Gran Torino“ ist eine kluge und unaufdringliche Apologie des Katholizismus. Walt Kowalskis Opfertod am Ende ist so folgerichtig und weltlich, wie er entrückt ist. Amerikas Heilige sind aus hartem Holz geschnitzt.

Eine Antwort to “(1) Gran Torino, 2008”

  1. Felix Bartels Says:

    “Gran Torino” ist eine kluge und unaufdringliche Apologie des Katholizismus.

    „… und mein Haus vermache ich der Kirche, weil meiner Frau das gefallen hätte …“

    Ich denke übrigens, daß Sie die Quintessenz des Films in der Tat auf den Punkt gebracht haben: „Der Rassismus ist nicht in den Worten.“

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